22. September 2020

Eichelmehl („Unser tägliches Brot“)

Eichelmehl (3)Das nächste Rezept für “Unser tägliches Brot – Ein Erntedankfest der Zukunft” ist eigentlich erstmal ein Rezept für eine Zutat: Eichelmehl. Aber da es zeitaufwendig ist, Eichelmehl herzustellen, fangen wir besser heute schon damit an.

In vielen Köpfen – bis zu meiner Recherche auch in meinem – sind Eicheln als giftig oder wenigstens ungenießbar abgespeichert. Das liegt daran, dass ohne eine entsprechende Behandlung der Gebsäure-Gehalt in Eicheln so hoch sind, dass sie einfach nur bitter schmecken. Doch Bitterstoffe kann man gut entfernen. Jeder, der schon einmal schwarze Walnüsse eingelegt hat kennt das Prozedere: Wässern, wässern, wässern. Das braucht Geduld, doch die Mühe lohnt sich. Allerdings bin ich mit den angebenen 24 Stunden für das Wässern nicht ausgekommen, ich habe die Zeit auf 60 Stunden erhöht. Am besten probiert man zwischendurch die Eicheln einfach mal – die Empfindlichkeit für Bitter ist ja individuell unterschiedlich.

Dieses Jahr ist – zumindestest im Bergischen und Kölner Raum – ein gutes Eichel-Jahr (Mastjahr). Beim Eichelsammeln hatte ich ganz schnell ein Kilo Eicheln zusammen – da man aber auch mit viel Ausschuss rechnen muss, sollte man etwa die doppelte Menge von dem, was man benötigt, sammeln. Beim Waschen sortiert man dann direkt alles aus, was oben schwimmt. Damit hat man recht sicher alle wurmstichigen Eicheln aussortiert (ich habe es überprüft und einen Teil der schwimmenden Eicheln aufgeschnitten und es waren wirklich fast alle befallen).

Eichelmehl

Beim Schälen kann man sich dann zwischen zwei Methoden entscheiden: Entweder schneidet man die rohen Eicheln auf und entfernt die Kerne, oder man röstet sie erst für 15 min im Ofen. Dann erinnert das Schälen mehr an das Schälen von Maronen und auch die Häutchen auf den Kernen werden so mit entfernt. Mir sagt Methode 2 darum mehr zu. Aber auch hier ist ein scharfes Messer von Nöten. Nach dem Schälen wird gewässert, dann müssen die Eicheln trocknen und dann kann aus den getrockneten Eicheln ein Mehl gemahlen werden. Mit einer Getreidemühle mit Stahlmahlwerk (!) geht das sehr gut, es sollte sich aber auch mit einem Reibevorsatz bewerkstelligen lassen. Das Mehl schmeckt dann leicht bitter, nussig und mit einem Anklang von Eichenholz.

Eichelmehl

ergibt ca. 300g Eichelmehl

  • 1 kg Eicheln

Die Eicheln nach dem Sammeln waschen und alle Eicheln, die auf dem Wasser aufschwimmen aussortieren.

Nun werden die Eicheln auf einem Backblech ausgebreitet und für 15 min bei 200°C geröstet.

Etwas abkühlen lassen und dann mit Hilfe eines scharfen Messers schälen. Das geht am einfachsten, indem man die Eicheln erst halbiert und dann die Kerne entfernt.

Jetzt werden die Eicheln gewässert. Dazu die Eicheln in ein großes Glas geben und mit der doppelten Menge an Wasser bedecken. Alle 12 Stunden das Wasser wechseln. Nach 2-3 Tagen schmecken die Eicheln nur noch wenig bitter und können weiterverwendet werden.

Für Eichelmehl werden die Eicheln nun auf einem Gitter liegend getrocknet. Wer einen Dörrapperat besitzt, kann ihn verwenden. Sobald die Eicheln ganz durchgetrocknet sind, werden sie in einer Getreidemühle mit Stahlmahlwerk (!) zu Mehl vermahlen.

10 Gedanken zu Eichelmehl („Unser tägliches Brot“)

  1. Karin Kelm 23. September 2020

    Moin Stefanie,

    Was für eine Idee! Aber du scheinst es ausprobiert zu haben (grins).
    Das muss ich ausprobieren. Da kann ich meine Enkel beschäftigen 👍

    Ganz lieben Dank für dieses Rezept.
    Hoffe, bei euch sind alle gesund.

    Liebe Grüße aus dem Norden 🥰

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    1. Stefanie 23. September 2020

      @Karin: Wenn ihr auch so einen tollen Eichenwald habt wie der in der Wahner Heide, dann werden deine Enkel bestimmt auch zu kleinen Eichhörnchen. Man kann da schon in Sammel-Ekstase geraten. Und ich weiß jetzt, dass ich in den – zugebenermaßen großen – Taschen meiner Jeansjacke ein Kilo Eicheln unterbekomme 😀
      Es folgt noch ein passendes Schwarzbrotrezept (mit noch einer weiteren spannenden Zutat) und da ich noch etwas Mehl übrig habe, überlege ich ja an Keksen mit Eichelmehl-Beimischung.

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  2. Maubach 23. September 2020

    Hallo Stefanie, ich weiß von meiner Oma, Jahrgang 1915, dass sie in den Kriegszeiten Eichelkaffee getrunken hat.
    Eine Frage noch: Warum eine Mühle mit Stahlmahlwerk? Ich habe eine mit Steinen. Wird das nicht gehen, weil die Eicheln zu hart sind?
    Viele Grüße Birgit

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    1. Stefanie 23. September 2020

      @Birgit: Auf den Eichelkaffee bin ich bei der Recherche auch gestoßen, da muss man die Eicheln nach dem Trocknen aber nochmal kräftig rösten.
      Und das Stahlmahlwerk empfehle ich, weil ich die Eicheln nach dem Trocknen ziemlich hart fand. Für ein Steinmahlwerk würde ich sie vieleicht vor dem Trocknen schon im Mixer zerkleinern und dann nur noch das feine mahlen mit der Mühle machen. Aber das ist ohne jede Gewähr 🙂

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  3. Susanne 24. September 2020

    Hallo Stefanie, da ich keine Mühle habe, meinst du der TM schafft das? Dann könnte ich eine Freundin fragen. Oder meintest du mit Reibevorsatz die feine Reibe am Durchlaufschnitzler von Küchenmaschinen mit dem man Nüsse mahlt? Den hätte ich 🙆

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    1. Stefanie 25. September 2020

      @Susanne: Der TM sollte das schaffen. Die feine Reibe am Durchlaufschnitzler wäre aber bestimmt auch geeignet. Wenn du es testest, dann berichte doch bitte, dass ist bestimmt auch für andere Leser interessant.

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  4. mehdi 28. September 2020

    Hallo Stefanie,

    ich weiß nicht, ob es einfacher ist, aber versuch mal die Methode mit einem Nussknacker.
    Mein Mann „schält“ Eicheln immer so. Ist für ihn eine meditative Angelegenheit auf der Terrasse.

    Liebe Grüße, mehdi

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