Tag-Archiv: Roggen

22. August 2026

Kartoffelbrötchen nach Kieler Art

Rein für die Alliteration würde ich die Brötchen eigentlich gerne Kieler Kartoffel-Semmel nennen. Ich glaube aber, dass mir im nächsten Urlaub im Norden dann eventuell die Einreise nach Schleswig Holstein verweigert wird. Immerhin ist das einzige, das die Brötchen mit der von mir so geschätzten Kieler Semmel (Rezept 1, Rezept 2) verbindet, das Scheuern der Teiglinge in einer Salz-Fett-Mischung. Denn weder Kartoffeln noch Roggen finden sich im Orginalrezept und den Kümmel, den ich dann noch auf die Brötchen gestreut habe, ist in norddeutschen Brot ja auch nicht wirklich zu finden. Ganz im Gegenteil, die Kieler (Brötchen) enthalten im  Scheuerfett oft etwas Zimt, was wirklich sehr fein schmeckt.

Von daher sind die Kartoffelbrötchen bei der Machart von den Kielern inspiriert, ansonsten doch irgendwas ganz eigenes. Das macht aber gar nichts, denn sie sind kartoffelig-fluffig mit feinen Salz- und Butternoten in der Kruste. Der Kümmel harmoniert für mich dazu sehr gut. Wer ihn nicht mag, lässt ihn aber natürlich weg, das ist ja klar.  Auf jeden Fall sind es Brötchen, die ich direkt ins Herz geschlossen habe.

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25. Juli 2026

Frankenlaib

Salzsauerteig, auch Salzsauer genannt, ist eine perfekte Möglichkeit für alle, die gerne mit Sauerteig backen aber manchmal etwas unberechenbare Tage haben. Er enthält neben den üblichen Roggenmehl, Wasser und Anstellgut noch 2% Salz. Das Salz bremst die Entwicklung der Mikroorganismen und verlängert so die Standzeit des Sauerteiges. Er wird mit sehr warmen Wasser angesetzt und steht dann aber bei Raumtemperatur, wodurch die Sauerteig-Temperatur langsam von etwa 35°C auf 20°C absinkt. Durch die anfangs hohen Temperaturen können sich die Hefen gut vermehren und er bekommt ausreichend Triebkraft. Die kühleren Temperaturen sorgen zusammen mit der langen Stehzeit für ein ausgewogenes Geschmacksprofil. Der größte Vorteil ist aber sein großer Toleranzbereich für die Verarbeitung. Er kann am nächsten Tag in einem Zeit-Fenster von etwa 16-24 Stunden verwendet werden. Braucht man aber mehr Zeit, kommt er nach dieser Zeit für bis zu zwei Tage in den Kühlschrank, ohne das die Qualität oder Triebkraft leidet. Weiterlesen

13. Juni 2026

Schneckenbrötchen

Heute bin ich gedanklich mal wieder bei Willhelm Busch:

“Jetzt in dichtbelaubten Hecken,

Wo es still verborgen blieb,

Rüstet sich das Volk der Schnecken

Für den nächtlichen Betrieb.”

Das ich für den großen Dichter eine Schwäche habe, wisst ihr vielleicht schon, da sein Neujahrsgruß von Beginn an jedes Jahr hier im Blog den letzten Post des Jahres beendet.  Mein allerliebstes  Busch-Gedicht schon seit Kindertagen ist aber “Die Schnecken”. Es stand im Lesebuch der dritten oder vierten Klasse und ich habe vollständig auswendig gelernt obwohl ich es nicht gemusst hätte. Und ich zitiere es bis heute gerne. Weiterlesen

6. Juni 2026

Party-Brötchen

Es gibt Rezepte, die sind Dauerbrenner bei uns. Ein Beispiel dafür sind diese Schnittbrötchen. Ich backe sie immer, wenn wir einfache, gute Brötchen brauche, die so sind, wie wir sie lieben: locker-wolkigweiche und feinporig mit einer knusprigen Kruste. Und wenn ich einmal ein gutes Rezept habe, dann fange ich gerne an, damit zu spielen,

Für den letzten Kindergeburtstag sind so die Party-Brötchen entstanden: Kleine Brötchen in Tropfenform, die in einer Kastenform zu einem praktischen Zupfbrot werden. Durch die Tropfen wirkt es dabei wie ein Zopf, sieht hübsch aus und lässt sich leichter transportieren als die klassische Partysonne.

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17. Mai 2026

Eiweiß-Toasties

Ich habe kann den meisten Dingen ja auch positive Seiten abgewinnen, sogar der Sache mit dem hohen Blutzucker. Seitdem ich mich gezwungener Maßen mit einer Kohlenhydrat-ärmeren und entsprechend Protein-reicheren Ernährung beschäftige, habe ich einige neue Lebensmittel entdeckt. Wusstet ihr z.B., dass Vollkorn-Nudeln tatsächlich lecker schmecken können, wenn man darauf achtet, dass sie aus Vollkorn-Hartweizengries hergestellt und vorzugsweise durch Bronzeformen gepresst wurden? Sehr gut passt dazu ein Zitat aus Katharina Seisers Buch “30 Pflanzen pro Woche”:  “Mir ist Askese fremd, dazu bin ich nicht auf der Welt. Ich will alles schmecken und riechen und fühlen, was es frisch und sorgfältig zubereitet zu kosten gibt.” Und auch wenn meine Ernährung jetzt ärmer an Kohlenhydraten ist, ist sie reicher an neu entdeckten Lebensmitteln und neuen Ideen für Brot und Brötchen. Denn auf mein Brötchen am Wochenende möchte ich genauso  wenig verzichten wie auf eine Scheibe Brot zum Abendessen. Daher packe ich gerne einen großen Anteil an Samen oder Nüssen in den Teig (z.B. hier oder hier). Weiterlesen

9. Mai 2026

Honig-Nuss-Schnecken

Ich gebe zu, diese Schnecken sind eine Form der Resteverwertung. Sogar der Honig fällt darunter, denn er ist der Rest, der beim Abfüllen einer Charge Honig am Ende im Abfülleimer zurückblieb. Und so habe ich das Beste daraus gemacht und Schnecken gebacken.  Bei den Nüssen dürft ihr gerne nach Lust und Laune experimentieren. Da wir noch ein paar Walnüsse aus dem letzten Herbst hatten, die dringend verbraucht werden wollten, habe ich darauf zurückgegriffen.

Der Teig ist fast ein alter Bekannter, ich habe nur den Zuckeranteil im Teig reduziert und 10% des Weizenmehls durch Roggenmehl ersetzt. Das verbessert die Frischhaltung und macht die Krume noch etwas zarter. Wer keinen Süßen Starter, LIevito madre oder ähnliches im Kühlschrank hat, kann sich auch mit einem Sauerteig-Rest oder einer Biga behelfen. Die ausführlichen Austauschtipps findet ihr am Ende des Rezepts.

Kleiner Erinnerer: Wer etwas Sauerteig haben möchte, sollte den Briefumschlag jetzt bald losschicken, damit er pünktlich hier ankommt.

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25. April 2026

“Schummelsauer” und die Wissenschaft

Der aktuelle “Sauerteig-Trend” in den sozialen Medien treibt schon seltsame Blüten. Selten erreichen die Empfehlungen aber den Punkt, bei dem ich versucht bin, mich in die Diskussion einzuschalten. Bei der Sauerteig-Anleitung von Besserbissen, die zeitgleich auf seiner Seite, YouTube und Instagram veröffentlicht wurde, wird allerdings ein “Sauerteig” angesetzt, indem etwas Reinzucht-Hefe und eine kleine Menge Buttermilch mit Wasser und Roggenmehl verrührt  wird. Die Mischung reift nun 24 Stunden und wird dann zum Brotbacken verwendet. Seine Erklärung dazu ist, dass dadurch genau wie in einem klassischen Sauerteig Milchsäurebakterien und Hefen verwendet werden. Auf den von vielen, auch mir,  sachlich geäußerten Einwand, dass es sich hierbei um einen Hefe-Vorteig und keinen Sauerteig handelt, wurde etwas schnippisch mit dem Vorwurf von verletzten Anhänger einer Sauerteig-Religion reagiert. Weiterlesen

18. April 2026

Rúgbrauð

Ich bin immer wieder fasziniert, wie die lokalen Gegebenheiten die Art, wie Brot gebacken wird, beeinflussen. Island ist ein sehr gutes Beispiel, denn es ist ein Land aus Eis und Feuer. Gletscher, Vulkane und Geysire prägen die Landschaft und die Menschen. Und was liegt näher, als diese Energie nicht nur zum Baden, Heizen und für die Stromproduktion zu nutzen, sondern auch zum Brotbacken. Traditionell wird der Teig für Rúgbrauð in einer Blechdose im etwa 80°C warmen Boden in der Nähe von heißen Quellen oder Geysiren vergraben und bleibt dort für etwa einen Tag. Während dieser Zeit reagieren im Teig Zuckermoleküle mit Aminosäuren und geben dem Brot eine seine schokoladenbraune Farbe. Weiterlesen

12. April 2026

Vollkorn-Wachauer (Proteinreich)

Die letzten zwei Wochen waren entspannt und anstrengend zugleich. Die Krümmelchen brauchten ein bisschen Erholung vom wirbeligen Kita-Alltag und so haben wir zwei Wochen Ferien daheim gemacht. Wir haben uns auf Spielplätzen herumgetrieben, Picknicks gemacht (sowohl Draußen als auch auf dem Wohnzimmerfußboden) und zusammen gekocht und gebacken. Nur die Sache mit dem Vollkorn habe ich ein kleines bisschen schleifen lassen und so ist es gut, wenn jetzt der Alltag wieder einkehrt.

Die Vollkorn-Wachauer habe ich jetzt schon mehrfach gebacken und finde sie sehr gut. In ihnen steckt eine gute Portion Leinsamen- und Süßlupinenmehl. Zusätzlich bringt eine Extraportion Gluten Protein und balanciert gleichzeitig das fehlende Gluten der Saaten-Mehle aus, was sich in der Krume positiv bemerkbar macht. Eine Alternative zum zugesetzten Gluten ist natürlich auch ein Weizenvollkornmehl, dass von Natur aus einen besonders hohen Glutengehalt hat, wie z.B. ein Manitobaweizen-Vollkornmehl mit 16% Proteinanteil.

Der Teig geht dann lange bei Raumtemperatur – und ihr kennt ja meinen Disclaimer: Dieses Rezept funktioniert nur gut, wenn die Raumtemperatur und Gehzeit passt. Wenn die Raumtemperatur zu hoch ist (der Sommer ist ja nicht mehr so weit hin), würde ich eher die Hefemenge erhöhen und den Teig im Kühlschrank gehen lassen. Sicher ist sicher. So oder so bekommen die Brötchen durch die lange Gare ein sehr feines Aroma mit ganz leichten Säurenoten durch den Sauerteigzusatz. Sie harmonieren dadurch wie ich finde sowohl mit süßen Aufstrichen als auch mit herzhaften Kombinationen.

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31. März 2026

Möhren-Walnuss-Ecken

Ich liebe einfache Frühstücksbrötchen, die morgens ohne großen Vorwand fertig gemacht werden können.  Und da Walnüsse immer lecker sind und Ostern an die Türe klopft, wurden es dieses Mal leckere Möhren-Walnuss-Ecken. Sie haben in ihrer Machart hier im Blog direkt zwei Geschwister, die leckeren Dreikornecken und die Körner-Kartoffel-Brötchen. Walnüsse sind halt gerade eine Lieblingsnuss hier im Haus.

Bei dieser Variante sorgen ein Brühstück, Quark und Möhren für langanhaltende Saftigkeit, Sauerteigreste und eine lange, kalte Stückgare bringen viel Aroma. Die Mischung aus hellem und Vollkornmehl und optional etwas Vitamin C in Form von Hagebuttenpulver oder Acerolakirschsaft sorgt für eine etwas lockerere Krume als bei den beiden Vorgänger-Rezepten. Ich finde das Rezept super lecker und es ist sogar Kindergartenkind-getestet und trotz Möhre als sehr lecker befunden worden. Die Brötchen passen sowohl zu einem süßem Frühstück als auch zu herzhaften Belag. Besonders die Kombination aus einer dünnen Schicht Pesto, Tomate, Mozzarella und Rucola ist fein, aber auch die Kombination aus Rote-Bete-Meerrettich-Aufstrich, Mozzarella und Avocado hat uns gut gefallen.

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