4. Januar 2019

Rheinische Neujährchen

Rheinische Neujährchen (3)Neben der traditionellen Neujahrsbrezel und den Westerwälder Neujährchen habe ich für das Neujahrsfrühstück auch noch die Rheinischen Neujährchen gebacken. Erstaunlicherweise waren mir diese Neujährchen gar nicht bekannt, obwohl das Bergische Land doch direkt an das Rheinland grenzt. Aber wie das mit solchen Traditionen so ist, manchmal sind sie regional eng begrenzt. Das Neujährchen in dieser Form scheint eher in Düsseldorf und am Niederrhein heimisch zu sein.

Die Form des Gebäcks dagegen wird dem einem oder anderen vielleicht auch bekannt vorkommen: Auch Lussekatter können in dieser Form gebacken werden und auch die “einfache Form” aus nur einem Strang gibt es sowohl beim schwedischen Lussekatter als auch beim Rheinischen Neujährchen. Aber nicht nur dort findet man diese Art von Brot: auch im Südtirol bäckt man so in der Weihnachtszeit das Thomasradl. Daran sieht man, dass so geformtes Gebäck seine Wurzeln in der vorchristlichen Zeit haben. Auch die Deutung des Neujährchens als “Sonne” spricht dafür, dass sein Ursprung wohl in den vorchristlichen Traditionen des Mitwinter-Festes zu suchen ist.

Zum Neujahresanfang haben sich regionalen Traditionen besonders gut erhalten, scheint es mir. Und so habe ich bei den Neujahresgebäcken habe ich noch einiges interessantes gefunden: Remscheider Neujährchen (Hefeteigschnecken mit Marzipanfüllung), Neujahrskränze, Berjes, Neujahrsbopp, Stutzweck… kennt ihr noch mehr? Und hättet ihr auch ausserhalb der “Saison” Interesse an den Rezepten? Dann würde ich im Laufe des Jahres weitere Neujahrsbrote für die “Regionale Brote”-Reihe backen.

Rheinische Neujährchen

ergibt 6 Neujährchen

BigaRheinische Neujährchen (1)

  • 175g Mehl Type 550
  • 90g Wasser
  • 1g Hefe

Teig

  • Biga
  • 225g Mehl Type 550
  • 50g Roggenmehl Type 1150
  • 50g Dinkelmehl Type 630
  • 215g Milch
  • 10g Eigelb (von einem Ei Größe L)
  • 10g Hefe
  • 7g Salz
  • 1/4 Zitrone, davon die Schale
  • 60g Zucker
  • 90g Butter

Zum Bestreichen

  • 1 verquirltes Ei

Die Zutaten für die Biga  miteinander verknetet und die Biga für mindestens 16 Stunden im Kühlschrank reifen lassen.

Für den Teig alle Zutaten bis auf Zucker und Butter für 5 min auf langsamer Stufe in der Küchenmaschine kneten, dann weiter 7 min auf mittlere Geschwindigkeit kneten. Den Zucker in kleinen Portionen hinzufügen und weiterkneten, bis aller Zucker aufgenommen. Zuletzt die Butter hinzufügen und weiterkneten, bis sie komplett in den Teig eingearbeitet ist. Bei langsamer Geschwindigkeit bis zur vollständigen Glutenentwicklung kneten.

Den Teig für 2 Stunden gehen lassen.

Je 80g Portionen abwiegen, zu Rollen vorformen (Fotoanleitung gibt es hier) und 10 min entspannen lassen. Zu 45 cm langen Strängen formen und von beiden Enden gegengleich aufrollen (wie für ein “S”). Immer zwei Stränge über Kreuz legen.

90 min bis zur Vollgare gehen lassen.

In der Zwischenzeit den Ofen auf 220°C vorheizen.

Die Neujährchen  mit Ei bestreichen, 12-15 min bei 220°C mit Dampf backen.

14 Gedanken zu Rheinische Neujährchen

  1. Stefanie 4. Januar 2019

    Ich habe mein Leben lang am Niederrhein gewohnt und immer im Westerwald Urlaub gemacht und kannte bisher weder die rheinischen noch die westerwälder Neujährchen – beide hören sich aber sehr lecker an und müssen von mir unbedingt nachgebacken werden. Und zwar nicht erst 2020!
    Weitere Neujährchen wären mir auch im restlichen Jahr willkommen, die regionalen Brote / Gebäcke finde ich immer besonders spannend.

    Liebe Grüße (und noch ein frohes neues Jahr),
    Stefanie

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    1. Stefanie 4. Januar 2019

      @Stefanie: Ich bin fasziniert, wie scharf scheinbar die Verbreitungsgrenze durchs Rheinland und das Bergische verläuft.

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  2. Barbara 4. Januar 2019

    Liebe Stefanie !

    Mutscheln werden in Reutlingen gebacken und jetzt an Heilige Drei Könige geht die Würfelsaison los. Die Gasthäuser sind ausgebucht ,Vereine kommen zusammen in ihren Stuben, privat, überall geht es hoch her ,wenn das Nackete Luisle ,der Wächter bläst vom Turme und noch viele andere Würfeleinsätze gespielt werden . Der Sieger mit der höchsten Punktzahl bekommt eine sehr grosse Mutschel ,wunderschön geformt und ausgestaltet ..ähnlich einer Sonnenuhr .
    Irgendwo habe ich ein Rezept ,ich werde suchen und es dir schicken .
    Schau mal in die regionale GEA Zeitung von Reutlingen ,dort wird das Treiben die nächsten Tage bestimmt publik gemacht .

    Ich freue mich auf ein neues Backjahr mit dir….mein Buch ist noch nicht angekommen,vielleicht heute . Ich sag Bescheid .

    Lieben Gruss
    Barbara

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    1. Stefanie 4. Januar 2019

      @Barbara: Ich danke dir (auch für das zugeschickte Rezept!)! Bis das Buch ankommt, kann es evtl. noch dauern, die Post gibt für Büchersendungen eine Lieferdauer von bis zu zwei Wochen an. Als ich die Exemplare für die Testleser verschickte, kamen die Bücher auch sehr unterschiedlich an: Bei denen einen waren sie am nächsten Tag da, bei anderen erst nach 10 Tagen. Mit der Entfernung hatte es nichts zu tun, keine Ahnung, wieso die Post so unterschiedlich schnell arbeitet. Und ich fürchte, mit dem Feiertag in dieser Woche wird die Bearbeitungszeit auch nicht schneller…

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  3. Theodor Pohlmann 4. Januar 2019

    das gibt es auch noch den Rheinischen (Bergischen) Neujahrsbrezel mit und ohne Marzipanfüllung, mit und ohne Fondantüberzug und bestreuten Mamndelblätchen.
    Der Teig bleibt sich dabei aber in der Regel nahezu gleich.

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    1. Stefanie 4. Januar 2019

      @Theodor: Die Neujahresbrezel kenne ich aus dem Oberbergischen, dem Rheinland und aus Schwaben. Das scheint – ähnlich wie die Neujahreskränze – eine recht übliche Form zu sein. Aber mit Marzipan kenne ich sie noch nicht, das klingt auch sehr fein 😀

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  4. Julia 4. Januar 2019

    Hallo Stefanie! Ich komme ursprünglich aus Wermelskirchen und eine sehr schöne Erinnerung aus meiner Kindheit ist es, dass mein Papa für den Neujahrsmorgen Neujährchen kaufte. Also es gibt sie auch ganz in deiner Nähe 😉
    Da ich sie dieses Jahr unbedingt für meine Kinder backen wollte, habe ich aus deinem Buch das Rezept für die Osterhäschen genommen, den Teig einfach über Nacht in der Küche gehen lassen und dann morgens die „Kleeblätter“ geformt. Köstlich war es. Dieses Rezept hier werde ich dann auch mal testen! Danke!!

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    1. Stefanie 4. Januar 2019

      @Julia: Das ist ja interessant. Sie sind mir noch nie über den Weg gelaufen. Weder im Oberbergischen, noch in Köln 😀
      Eigentlich bräuchte man mal eine Verbreitungskarte, in die jeder einträgt, wo es was an Neujahrsgebäck braucht …

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  5. Edith Volmering 4. Januar 2019

    Hallo Stefanie! Wieder mal ein sehr schönes gut nachzubackendes Rezept. Mein Buch ist bisher nicht angekommen, aber das wird schon werden. Ich würde mich auch über Neujahrsbrote quer über’s Jahr als regionale Brote freuen. Ich lese mit Begeisterung deinen Blog!!

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    1. Stefanie 4. Januar 2019

      @Edith: Die Zustellung von Büchersendungen kann leider bis zu 2 Wochen dauern, sagt die Post (s. auch meine Antwort an Barbara weiter oben). Ich hoffe aber, dass das Buch bald da ist!

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  6. Jutta 4. Januar 2019

    Hallo Stefanie,
    auch aus Rheydt bzw. Mönchengladbach kenne ich diese Art der Neujährchen nicht. Ich kenne nur den Brezel mit Mandeln (ich mag den am liebsten mit Zuckerguss und dann Mandeln drauf) zu Neujahr.
    Aus skandinavischen Backbüchern ist mir die Form bekannt und mir gefällt sie so gut, dass ich unbedingt mal so etwas backen möchte. Ich muss es mir mal aufschreiben. Wo ich gerade beim Theodor von der Marzipanfüllung las – oh, das kenne ich auch noch und ich liebe es. Schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegessen. Jetzt schmachte ich.
    Ein frohes gutes Neues Jahr für dich
    Jutta

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    1. Stefanie 4. Januar 2019

      @Jutta: Du hast mich an der Angel: Mehr Details zur Marzipanfüllung, bitte 😀

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  7. Elisabeth 8. Januar 2019

    Ich bin total begeistert von den Rheinischen Neujährchen!sie schmecken super lecker,vielen Dank für das wunderbare Rezept!Ich würde sie gerne mal zum Frühstück backen,was sollte ich dann anders machen?Liebe Grüße,Elisabeth

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    1. Stefanie 9. Januar 2019

      @Elisabeth: Durch den hohen Buttergehalt sind die Neujährchen nicht so gut für eine kalte Gare geeignet, da sich die Butter im Kühlschrank verfestigt und die Neujährchen nicht gut aufgehen. Was klappen wird, ist einen Teil von Milch und Butter durch Sahne zu ersetzen. In dem Fall würde 100g Sahne +115g Milch + 60g Butter verwenden, dann sollte es auch mit der kalten Gare klappen.

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